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Partnerschaft 

Wie geht das ? - 16

 

Zutaten

oder: "Ich sag' dir doch, was mich gerade bewegt!"

 
die verschiedenen Zutaten  

                  Die Sonne steht
           schon tief.
Es ist
       warm und ein leichter
   Wind streift über die Köpfe der Blumen, die leise nicken. Vereinzelt ist Vogelgezwitscher zu hören - und in der Ferne das leiser werdende Rauschen des Verkehrs.

Wohlig hingefläzt sitzt Johannes, ein Mann in mittleren Jahren - die nackten Füße auf dem Tisch, das ansatzweise schon vorhandene kleine Bäuchlein in einer weiten, bunten und gemütlichen Freizeithose verstaut, den Oberkörper mit einem rosa Nicki vor der Sonne geschützt - mit zufrieden entspanntem Gesicht auf der Terrasse. 
Ab und zu
nimmt er einen Schluck aus dem hohen Glas mit gelblich­perlender Flüssigkeit, vielleicht Zitronenlimonade. - 

                                                             Da kommt Hedwig leichten
                                        Schrittes aus dem Haus und setzt sich dazu. 
                              Eine anziehende Frau, wohlproportioniert, mit einem
             
lachenden Gesicht, wachen Augen, die blonden Haare mit einem
      bunt­
gekräuselten Band zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst -
gelbe Bluse, Jeans und ganz leichte, rote Riemchen-Sandaletten.

Und sie schaut Johannes freundlich an und fragt: "Wie ist das Johannes - gehst du nun am Samstag mit auf den Berg?" 

Johannes schaut auf, wendet sich ihr zu, zieht seine Stirne leicht kraus und antwortet: "Ja, weißt du, Hedwig, ich gehe gerne mit - und ich freue mich auch darauf - " 

"Fein! - Das ist toll!" - sagt Hedwig dazwischen.

Dann fährt Johannes fort: "aber ich muss am Samstag noch Ferdinand bei der Reparatur seines Autos helfen - und außerdem ist auch noch ein Ergänzungsbericht fürs Geschäft zu machen - und außerdem gibt es da noch einiges wichtiges zu tun .."

Hedwig schaut ihn verwundert und fragend an: "Und was 'willst du' nun tatsächlich machen?"

"Ja, das weiß ich doch nicht", antwortet Johannes in vorwurfsvollem Ton "ich sag' dir das jetzt einfach so, wie's mir gerade einfällt - ganz spontan und unmittelbar. Verstehst du das?"

Hedwig betrachtet ihn leicht verärgert und fragt nochmals: "Es wäre schön, wenn du auch mitkommen würdest! Ich helfe' dir auch gerne am Sonntag bei den Dingen, wo ich dir helfen kann. Komm' halt mit! Bitte! - Kommst du?"

Und Johannes: "Ja - ich weiß nicht - ich hab's dir doch schon gesagt - ich hab' dir doch all das erzählt, was mir ganz spontan dazu eingefallen ist - ganz ehrlich - und da ist einfach noch viel zu tun, weil . . ."

Schnellen Schritte verschwindet Hedwig verärgert im Haus. - Und am Samstag geht sie alleine mit Freunden in die Berge, Johannes zurücklassend, der immer noch nicht weiß, was er nun machen soll und unentschlossen herumhängt. Tage später geht es um eine Einladung von Freunden. - Wieder ist es Hedwig, die den Wunsch äußert, am Samstag in einer Woche Wilhelm und Eta - gemeinsame Freunde - nachmittags zum Spielen und Ratschen einzuladen. 

"Oh ja", reagiert Johannes, "das ist schön - mit denen mag ich auch gerne zusammen sein!"

"O.k. - dann mache ich's fest!", antwortet Hedwig erfreut.

"Na ja", ergänzt Johannes zögernd, "vielleicht doch noch nicht, weil da eine wichtige Sache im Geschäft läuft - und da könnten sie mich brauchen - und da habe ich Angst, nicht verfügbar zu sein - und außerdem möchte da der Fußballclub, dass ich an dem geplanten Freundschaftsspiel teilnehme - da habe ich das Gefühl, die nicht im Stich lassen zu können. -"

Hedwig laut: "Ja - und was 'willst' nun eigentlich 'du'  - wie ist 'deine' Entscheidung?"

Und Johannes mit gequältem Gesichtsausdruck: "Ich weiß nicht, was du immer mit deiner 'Entscheidung' hast - wir sind doch nicht im Geschäft und wir wollen doch auch keinen Vertrag miteinander aushandeln - das wäre ja noch schöner! -   ich sag' dir doch, wie's mir gerade mit deinem Vorschlag geht, was mir dazu durch den Kopf geht, welche Gefühle da sind - ganz echt, ganz offen. - So ist es eben. Und mehr ist dazu im Moment nicht da! - Und außerdem wäre ich dir dankbar, wenn du mich nicht immer so behämmern würdest, mit deinen ewigen Formalismen, ich solle mich entscheiden und sagen was ich will. - Immer dieser Druck!

Hedwig ist sichtbar zornig. Die Stirne ist gekraust, die Augenbrauen sind zusammengezogen, der Oberkörper ist nach vorne gebeugt und gespannt. - Und sie sagt nichts. - Nach einer Weile steht sie auf und verlässt den gemeinsamen Sitzplatz.

Einige Zeit später - ein herrliches Wochenende - Sonntag morgen. - Geklapper von Geschirr und Besteck. Johannes und Hedwig decken gemeinsam den Frühstückstisch. Und Hedwig holt noch ein kleines Beistelltischchen dazu.

Johannes schaut verwundert und sagt: "Das brauchen wir doch sonst nicht?"

Hedwig winkt ab: "Lass nur - ich bringe gleich den Rest!"

Und Johannes setzt sich schon bereit, in Erwartung des Kuchens, der traditionsgemäß zum Sonntagsfrühstück gehört.

Und schon geht die Türe auf und Hedwig kommt mit einem großen Tablett herein - darauf eine große Schüssel mit Mehl, kleine Schüsseln und Teller mit Butter, Nüssen, Rosinen, Quark, Sonnenblumenkernen, Kakao usw., einer Schachtel mit Eiern, Tütchen Backpulver und Vanillinzucker, Aromafläschchen und anderen Kuchenzutaten.

Fröhlich und zufrieden stellt sie das Tablett auf das Beistelltischchen und sagt: "So - jetzt können wir anfangen!" - setzt sich an den Tisch, rückt ihren Stuhl noch ein bisschen vor und zurück, um die bequemste Position zu finden und strahlt Johannes an.

Der betrachtet ganz entgeistert einmal das Tablett und dann wieder Hedwig. Nach einer Weile sagt er kopfschüttelnd: "Ich verstehe nichts! - Ich verstehe überhaupt nichts!"

Und Hedwig antwortet lächelnd: "Es ist alles ganz einfach - es sind so viele Sachen - und noch viel mehr sind in der Küche - und ich biete sie dir jetzt einfach mal an, so, wie sie mir gerade in die Finger gekommen sind. So ist es eben für mich - jetzt! - Bis jetzt habe ich mich noch nicht festgelegt und entschieden, ob und wann und mit welchen Zutaten ich welchen Kuchen backen will. - Und du bist ein so verständnisvoller Mann, dass du mich sicherlich nicht zu einer klaren Entscheidung und anschließendem, entsprechendem Handeln nötigen wirst. - Jetzt ist es einfach so, wie's ist - und drum biete ich dir jetzt eben die Zutaten an."

"Und was soll ich zum Frühstück essen?", fragt Johann in leicht klagendem Ton.

Hedwig antwortet fröhlich: "Sei doch mit dem, was da ist, zufrieden - ich lass dich doch teilhaben an den Zutaten - und bedräng mich nicht, mich jetzt - und gleich - und vielleicht auch nochklar - zu entscheiden und zu sagen, was 'ich' nun machen 'will'!"

Nachdenklich betrachtet Johannes die schmunzelnde Hedwig und nickt leicht mit dem Kopf. Nach einer ganzen Weile des Schweigens sagt er langsam: "Ich hab' schon verstanden! - Jetzt hab' ich's begriffen, was ich da bisher gemacht habe. - Künftig heißt es für mich: 'Ich spüre mich und das, was ich wirklich will. Und ich nehme auch dich mit deinen Wünschen und Bedürfnissen wahr und wichtig. Dann entscheide ich mich klar und eindeutig, was ich will - und erkläre das dann auch - und stehe dazu - und tue es dann auch - und zwar mit Spaß - und ganz, also so intensiv, wie nur irgend möglich!' - Bah! - Schließlich gilt für mich ja auch: 'Ich darf dazu-lernen und mich verändern!' "

Hedwig schiebt ganz langsam ihren Stuhl zurück und schlängelt sich auf Johannes zu, erreicht ihn, nimmt sein Gesicht zwischen beide Hände und drückt ihm einen schmatzenden Kuss auf den Mund. "Du bist ein wundervoller Mann! - Danke!", flüstert sie ihm ins Ohr.

Und was dann passiert - da kann nur noch die Fantasie weiterhelfen. - - - -

Nur noch Johannes ist leise murmelnd zu hören: "Zutaten sind ja manchmal ganz interessant - und ich kann auch darüber reden - und ich kann auch fragen - und ich kann auch erzählen, dass ich jetzt nur diese oder jene Möglichkeiten sehe, weil . . . - aber, um 'Miteinander' zu ermöglichen, auch Weiter-Entwicklung während des Gesprächs zuzulassen oder anzuregen oder zu ermöglichen, brauche ich eine 'klare Ausgangsposition' eine klare Entscheidung, wo ich stehe und was 'ich' will. Das ist mir jetzt klar geworden.
Ich  habe doch eine liebe und kluge und süße Frau! Und ich lasse mir auch gerne von ihr helfen!
Und zuzeiten darf auch ich ihr helfen - und sie nimmt das dann auch an!
Sie ist nämlich ein Wonne-Proppen! - Und auch sie hat ihre Schwächen - Gott sei Dank!"

 

vorgestellt ab 10.06.12  (09,07)    Viele innere Anteile stecken in jedem von uns - und jeder dieser Anteile meint es seinem Menschen gut. Auch wenn es widersprüchliche Impulse sind. Sie aufzunehmen, zu gewichten, mit der Situation und den anderen beteiligten Menschen zu verbinden und daraus dann eine persönliche Entscheidung, einen persönlichen Standpunkt abzuleiten, das ist Aufgabe eines jeden für sich - in jedem Augenblick. Damit lässt sich dann auch klar am äußeren Geschehen teilnehmen. Auch verhandeln und auch Einigung finden, in welcher Form auch immer.

siehe auch:   Ärger.., Bereinigendes Gespräch    Gespräch u. Missverständnisse     

                    ALLTAG / Gewaltfreie Kommunik.    ALLTAG / Missverständn.    ALLTAG / Streit (6)  
                    ALLTAG / Zwiegespräche 

                    MOSAIK / Gespräche     MOSAIK / Streit heilen 

 

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