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Partnerschaft 

Wie geht das ? - 13

 
 

Verstehen

braucht  'verständlich machen' !

 

beides ist "gleich" wichtig!


Weil du das so betont sagst - fällt mir ein Erlebnis ein, das vielleicht dazu passt!-?

Fein! - Erzähl' !

Also: Ein Kollege kam aus dem Urlaub. An seinem Urlaubsort hat er auch den dortigen Stadtplatz besichtigt.
Und er begann 

                                   nun,  diesen Platz zu beschreiben. -
                     Mit Formen - u
nd Farben - und Material - 
     und Licht - und Schatten und - und - und - . Ganz toll! -
Ich habe richtig gemerkt, wie das Bild dieses Platzes nach und nach  in mir entstand. Ein großes, farbiges und intensives Bild! - Und gleichzeitig ein flaues Gefühl im Magen dazu. -

Was war das für ein Gefühl ?

Ja - wie kann ich das beschreiben ?
Also: - Ich gehe in ein Möbelgeschäft und sehe dort ein wunderschön gestelltes Zimmer. Schön!
Und dann besuche ich Freunde, die sich mit einem solchen Ausstellungszimmer ihr Wohnzimmer eingerichtet haben.
In beiden Fällen sind es die gleichen Möbel und ähnlich räumliche Verhältnisse. Im Ausstellungsraum des Möbelgeschäfts würde ich nie bleiben wollen. Ich würde mich nicht wohl fühlen. - Im Wohnzimmer meiner Freunde dagegen setzte ich mich hin - und fühle mich wohl! - Da kann ich mich entspannt zurücklehnen, da kann ich bleiben, da kann ich sein!

Und was macht den Unterschied der Zimmer aus? Was hat das Wohnzimmer deiner Freunde gegenüber dem Ausstellungszimmer mehr, was ist anders?

Ja - Bücher, Krimskrams, herumliegende, persönliche Sachen, auch Unordnung - einfach Leben.

Deine Freunde leben "sich" also in ihrem Wohnzimmer. Sie entfalten dort ihre "ganz persönliche" Individualität. Und sie erlauben dir, an diesem ganz Persönlichen teilzuhaben. Betrittst du ihr Zimmer, so begegnest du ihnen, auch wenn sie vielleicht momentan gar nicht im Raum sind. - Und das macht es so schön - und warm - und heimelig! - Oder?

Ja, das stimmt, was du sagst!

Stell dir vor - deine Freunde würden vor deinem Kommen alles auf- und wegräumen - alles "ordentlich machen". - Was wäre dann ?

Dann würden sie sich selbst, das Charakteristische ihrer persönlichen Lebensart, unsichtbar machen. Dann wäre es wohl fast so, wie im Möbelgeschäft: Sauber - ordentlich - schön - glatt - farbig - aber ohne inneres Leben! - Genau wie die Erzählung meines Kollegen von diesem Stadtplatz! 

Weißt du jetzt, was gefehlt hat ?

Ja! - Das "innere Leben", seine persönliche Meinung dazu, seine Gefühle, was "ihn" da, als er diesen Platz betrachtete, bewegt hat und warum. - Das, was es zu einem "persönlichen" und damit einzigartigen Erlebnis gemacht hat, wurde beim Erzählen unterdrückt und weggelassen.

Er war als "er persönlich", als "eigener, bewegter Mensch" nicht spürbar?!

Stimmt! Es hätte genau so gut ein anderer sein können, der das beschreibt - oder eine Kassette - oder ein Radio - oder ein Farbbild. - Wenn ich jetzt wieder daran denke, ist dieses ungute Gefühl wieder da - wie Leere im Magen.

Und was könnte das bedeuten?

Ich konnte zu diesem Kollegen keinen Kontakt, keine Verbindung aufbauen. Da fehlte mir was, um mich mit seiner Beschreibung dieses komischen Stadtplatzes wohl zu fühlen - ein zu fühlen !

"Er", mit seinen Gefühlen, seinem Bewegt-sein, seiner persönlichen Betroffenheit, seiner Geschichte, seinem Denken und seinen Vorstellungen, seinen gefühlsmäßigen Verbindungen und Fantasien (z.B. Stadtplatz - Geschichte - Reisen - Erfahrungen - Erinnerungen an Schule, Elterhaus oder bestimmte Ereignisse usw. - usw.) -
Er persönlich und als Mensch blieb im Dunkeln - und damit nicht zu sehen und nicht zu spüren.

Genau! - Hätte "er" sich auch persönlich gezeigt und mit eingebracht, dann wäre es lebendig geworden. 

Du hättest dann also dein Bewegt-sein spüren und in die Erzählung mit-einsteigen, den Inhalt mit- und nach-erleben können!?

Sehr zutreffend! - Dann hätte ich auch die Bedeutungen für ihn und die Wirkungen auf ihn VERSTEHEN, mich einfühlen und innerlich mitgehen können! - So war es eine, wenn auch sehr genaue, plakative Beschreibung von irgendwelchen Äußerlichkeiten, nicht mit persönlichen Gefühlen verbunden - und damit für mich ziemlich leer.

Verstehen auf der einen Seite braucht also vom anderen (auf der anderen Seite) die Bereitschaft, "seinen" INHALT gut und genau zu erklären - und außerdem "sich" dabei auch PERSÖNLICH zu zeigen - (lebendiger und ehrlicher Ausdruck von Körper und Stimme - sichtbar und hörbar, Gefühle spüren, dazu stehen, sie benennen, ihre Bedeutung in diesem Zusammenhang beschreiben und erklären usw.).
Das heißt also, dass, wenn ich mich mit meinem Erleben sichtbar und verständlich machen und nicht nur über Äußeres sprechen möchte, ich von "mir" erzählen sollte, von allem, was ich da unmittelbar erlebt habe (Außen) und was sich dazu in mir bewegt und abgespielt hat (Innen).
Dann können sie, wenn alles klappt, zusammen schwingen:
VERSTÄNDLICH MACHEN  und  VERSTEHEN !

Das war jetzt ein Beispiel zum Thema 'verständlich machen'. Können wir jetzt auch noch eines zum Thema 'verstehen' behandeln? 

Aber ja, selbstverständlich! 
Beim 'verständlich machen' geht es oft um das Erklären und Zeigen eigener Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen, Eindrücken usw., also einer für den anderen weitgehend unsichtbaren Welt.

Da kann sich der Zuhörer eben nur durch aufmerksames Zuhören hineindenken und einfühlen - und damit verstehen.

Richtig! - Der Zuhörende zeichnet innerlich also die Wirklichkeit des Erzählenden, der sich gerade verständlich machen will, nach - und kann so, wenn es gut geht, die andere Wirklichkeit 'verstehen'.
Einem Beispiel: 
Eine Parallele zum 'inneren Lebensraum', von dem du nur erzählen kannst, ist der 'äußere Lebensraum'. Nehmen wir ein kleines Teilstück dieses äußeren Lebensraumes, nämlich die Wohnung.
Ich habe eine Wohnung - und du hast eine Wohnung.
Wir möchten mehr voneinander kennen lernen, einander besser verstehen. Also lade ich dich zu mir ein, um mit dir zu plaudern und gemütlich Zeit zu verbringen - und dir auch meine Wohnung zu zeigen.

Und jetzt komme ich also, bringe ein kleines Gastgeschenk mit, z.B. ein paar Blümchen, und stehe nun ganz neugierig an deiner Wohnungstüre.

Ich öffne, sehe dich, freue mich und bitte dich herein: "Schön dass du kommst und mich besuchst!" 
Dann werden wir ein Tässchen Kaffee trinken und ein bisschen plaudern. Und dann kommt meine Einladung: "Darf ich dir jetzt meine Wohnung zeigen?" 

Ich habe schon bemerkt, dass du ganz anders wohnst, als ich. Einiges gefällt mir, manches kenne ich so nicht und einiges gefällt mir überhaupt nicht, das sehe ich mit gerümpfter Nase. Soll ich da jetzt vielleicht heucheln und sagen, dass mir das alles gefällt oder soll ich die Wahrheit sagen? - Aber dann könntest du ja sauer sein.

Wunderbar, deine Frage! Schon sind wir am Kern von 'verständlich machen' und 'verstehen'.
Wenn es gelingen soll, müssen beide 'wollen'. Ich muss bereit sein, mich mit Meinem zu zeigen und zu erklären, welche Bedeutungen und Zusammenhänge, welche Gefühle und Gedanken dazu bei mir da sind - und du musst bereit sein, dich nun auch auf Meines zu konzentrieren und das 'mit den Bedeutungen, wie sie FÜR MICH gelten', kennen zu lernen.

Deine Einteilung und Einrichtung finde ich aber zum Teil wirklich unpraktisch und scheußlich.

Völlig in Ordnung. Das sind deine Maßstäbe, die FÜR DICH gelten.
Versuchst du nun die FÜR DICH und DEINE Lebenspraxis geltenden Maßstäbe auch auf mich und meinen Lebensbereich anzuwenden, mir also deines überzustülpen, dann wirst du VON MIR, nämlich deinem Gastgeber, wenig bis gar nichts kennen- lernen - und zu einer eher unguten und gespannten Stimmung beitragen. Du bleibst nämlich, auch während du in meinem Haus unterwegs bist, in deinen Vorstellungen und Maßstäben, du bewertest mich und wertest Meines ab. Und du kannst so auch überhaupt nicht nach vollziehen und verstehen, weshalb ich was wie mache oder habe.

Ich meine dann, dass ich es für dich besser weiß. - Oder?

Rechthaber und Besserwisser feiern da fröhlich Urständ. Das hat aber nichts mit 'verständliche machen' und 'verstehen' zu tun.

Sondern mit 'profilieren', mir selbst also beweisen wollen, wie gut ich doch bin und welchen Durchblick ich doch habe.
Gleichzeitig bin ich aber blind und taub für all das, was bei DIR wirklich da ist. - Oder?
Wie geht nun in diesem Fall 'verständlich machen' und 'verstehen'?

Indem du vor meiner Wohnungstüre deine bisherigen Erfahrungen, Meinungen, Maßstäbe und Vorstellungen usw. fein in ein Kästchen packst und dort ablegst. Wenn du meine Wohnung wieder verlässt, darfst du sie, wenn du willst, wieder so aufnehmen, wie du sie zurück gelassen hast. 

Ich betrete also deine Wohnung - und habe keine eigene Meinung, keine eigenen Vorstellungen, keine Kritik, keine Verbesserungs-Erwartungen oder auch -Vorstellungen?
Das bin doch dann überhaupt nicht mehr ich? Ich bin normalerweise ein kritisch und logisch mitdenkender Mensch! - Und ich habe auch eine eigene Meinung!

Ja, ich verstehe dich gut, auch dein Hin- und Her-gerissen-sein. Aber beim Verstehen geht es nicht um deine persönlichen Meinungen und Werturteile, sondern um dein Begreifen, wie es in dieser anderen Welt zugeht. Und da gelten die Maßstäbe dieses anderen Menschen, in dessen Wohnung du z.B. gerade bist.

Da sehe ich also unter anderem in deiner Wohnung ein springendes Pferde mit einer im Sockel eingelassenen Uhr. - Der letzte Kitsch aller Zeiten. - Oktoberfestramsch! - Und was sage ich, was denke ich dazu, wenn ich wirklich 'verstehen' will?

Am einfachsten ist, wenn du beschreibst, was du siehst und dann nach Einzelheiten deines Gegenübers fragst.

"Ah, ein springendes Pferd mit Uhr. So etwas habe ich als Bub mal auf dem Oktoberfest gewonnen! Da habe ich mich sehr darüber gefreut! - Was verbindet sich für dich damit?"

Ja genau!
Und jetzt werde ich dir vielleicht erzählen, dass ich das von meiner verstorbenen Frau beim Kennen-lernen auf einem Jahrmarkt geschenkt bekommen habe. - Viele schöne und wertvolle Erinnerungen werden damit angerührt. Vielleicht erzähle ich dir einige.
So wirst du Stückchen für Stückchen mehr von mir kennen- und verstehen-lernen. Du wirst mich mehr und mehr als den Menschen sehen und begreifen, der ich bin. 
Und zu mir gehören eben auch persönliche Erinnerungen und Schätze, die für andere Kitsch sein mögen, für mich aber wertvoller als Gold und Diamanten sind.

Und so geht es weiter - in deiner Wohnung. Ich nehme das wahr, was ich sehe, beachte es, lobe es - schön! - (denn für dich ist es sicherlich schön, sonst würdest du dich nicht damit umgeben) - und in Einzelfällen werde ich nach " deinen" Bedeutungen fragen.

Genau! - Und es wird ein wunderbarer Besuch werden. Du wirst von mir einiges erfahren und neu verstehen - und du wirst so sicherlich auch immer wieder staunen - ah, das steckt bei diesem Menschen alles dahinter, hätte ich gar nicht geglaubt - und du wirst dich gut und beschenkt fühlen. Reicher! - Und ich werde mich auch gut und zufrieden fühlen, vielleicht sogar glücklich, weil ich dir etwas von mir zeigen durfte, weil ich gemerkt habe, dass es dich interessiert und dass du mir zuhörst - und ich werde mich verstanden und angenommen fühlen.
Schön für uns beide!

Und dann gehe ich - und jetzt hole ich mir wieder mein Kästchen mit meinen Erfahrungen und Meinungen usw.?

Richtig! - Und jetzt ist es völlig in Ordnung, wenn du dir FÜR DICH zusätzlich deine Meinung zu Einzelheiten bildest. "So würde ich das nicht machen, sondern so ..., das ist unpraktisch und jenes gefällt mir nicht. Insgesamt finde ich es ein wenig altmodisch, aber gemütlich. (oder anders) Ich möchte nicht so leben!"
Das ist dann DEINE Meinung, die nur FÜR DICH gilt. Gleichzeitig hast du dein VERSTEHEN von mir.
So machen wir uns gegenseitig reicher, ohne dass sich einer verbiegt oder, wie du vorher gemeint hast, schleimt. Das Schöne von mir anzuerkennen heißt ja nur zu bestätigen: "Ja, ich sehe, dass das schön ist für dich! Und ich spüre deine Freude - und mit deiner Freude freue ich mich mit!"

Verständlich-machen und verstehen - für beide Beteiligte ist es immer ein Herausforderung!

Immer eine lohnende Herausforderung!
Mal wird es besser gelingen und mal auch wenig gut. Entscheidend ist, zu wissen, wie wichtig das für ein Miteinander ist - und es immer wieder zu probieren. Sich von Fehlschlägen nicht entmutigen zu lassen. Und erfolgreiche Versuche - auch wenn scheinbar geringfügig - zu loben und zu feiern!

Die Freude über die gelungene Begegnung zu spüren und zu genießen!?

Genau!

 

vorgestellt ab 20.04.12   (10.07.09, 11.06.07)     "Ich habe es eindeutig und klar gesagt! - Der andere hört mir nicht zu - oder er will mich einfach nicht verstehen! Der andere ist verantwortlich für das misslungene Gespräch!" - Immer wieder schleichen sich solche Gedanken oder gar Reden ein. - Schlimm! - Wenn ich verstanden werden will, muss ich mich davon überzeugen, dass der andere bereit ist, mir zuzuhören (nicht z.B. in Gedanken oder ein Buch vertieft ist) und dann ihm Meines in einer Sprache, mit Worten, Bildern und Beispielen so erklären, dass er es verstehen kann. - Und ich muss meine Worte mit meiner Aufmerksamkeit ihm gegenüber begleiten. So kann ich merken, ob ich richtig - wie ich es gemeint habe - verstanden worden bin. 

ALLTAG / Thema der Woche ab 10.01.10 (09.07.04)      Verstehen - braucht 'verständlich machen' ! - Es geht um Gespräch, sich mitteilen, einander zuhören, verstehen und Anteil nehmen - zwischenmenschlichen Kontakt - alltäglichen Alltag. - Und das Beachten der verschiedenen Gesprächs-Ebenen, der 'sachlichen' Ebene (folgerichtig argumentieren - eher Theorie/denken) und der 'Gefühlsebene' (Erleben, Gefühle, spüren - eher Praxis/tun).

siehe auch:    ALLTAG / Sprache(3)-verst.+verständl.machen      ALLTAG / Verst.+verständl. machen      http://www.alltagalschance.de/
                     ALLTAG / Newsletter Nr.48  

                     MOSAIK / Gespräch6       MOSAIK / Verstehen     
                     MOSAIK / Ziele (1) - verstehen und verstanden werden 

   

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