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Kleine Sammlung 
 

Partnerschaft  3

Stimmungseinbrüche und Verantwortlichkeit

 

aus einem Briefwechsel:

... In deinen Gedanken und Überlegungen fällt mir das klare Bekenntnis zur Gesamtverantwortung für dich selbst auf. Ich finde das sehr wichtig und sehr schön. Ich bin da mit dir einer Meinung:

Jeder ist voll für sich selbst verantwortlich und zuständig. Nicht nur für sein Denken und Handeln, sondern auch für seine Gefühle und Reaktionen. Auch z.B. für den Schmerz, der aus einer Kränkung oder Verletzung entsteht. Denn, ob etwas nun als Verletzung und damit als schmerzhaft, als unerheblich oder auch als erfreulich erlebt wird, hängt ganz wesentlich von der persönlichen Bewertung / Einstellung ab.
Wer in solcher Situation sagt "Du bist Schuld!" oder "Du hast mir jetzt den Schmerz zugefügt!", versucht das Gegenüber zum Täter und sich selbst zum Opfer zu machen, dem anderen also die Schuld zu übertragen und sich selbst von der Verantwortung für das eigene Verhalten bzw. die eigene Reaktion freizusprechen. - "Mir tut das weh und es bedrückt mich!", ist dagegen persönlich und ehrlich - und beschreibt die eigenen Gefühle.

Ich übernehme für mich selbstverständlich auch die Gesamtverantwortung - und ich bemühe mich, sie ständig zu verbessern und auszubauen, z.B. auch durch die Therapiestunden die ich besuche. Dort suche ich Hilfe, gerade mit meinen wütenden Reaktionen in Streitsituationen besser und bedachter umgehen zu lernen, also menschlicher zu werden. Interessant finde ich ja, dass man nie, auch nicht mit 80 Jahren oder mehr, ausgelernt hat. Auch das macht das Leben so spannend und schenkt immer wieder neue (innere) Überraschungen.

Durch unser Zusammengehen in eine Partnerschaft erwächst uns beiden nun eine weitere Gesamtverantwortung, nämlich die für unsere gemeinsame Beziehung.
Jeder hat also die

ICH-Gesamtverantwortung
und gleichzeitig die
BEZIEHUNGS-Gesamtverantwortung.

In einer Beziehung treffen nicht zwei Idealmenschen oder auch zwei Lichtgestalten aufeinander, die bereits vollkommen und fertig entwickelt sind, sondern zwei Menschen, von denen jeder seine eigenen Licht- und Schattenseiten, Stärken, Fehler, Verletzlichkeiten und Eigenheiten hat. Jeder dieser Menschen steht an einem ganz eigenen Entwicklungspunkt in seinem Leben. Und die Entwicklungspunkte beider können sehr verschieden sein. 
Das hat nicht im entferntesten etwas mit ‘richtig oder falsch’, ‘besser oder schlechter’ sondern nur und ausschließlich mit ‘verschieden’, eben ‘anders’ zu tun.
Und diese verschiedenen, fehlbaren, unzulänglichen Menschen, wollen nun miteinander eine Partnerschaft leben. Ganz klar, dass es da immer wieder zu Missverständnissen, Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen kommen muss.

Gute Beziehung und wohltuende Partnerschaft sind nur möglich, 
wenn beide lernen,
eigene Erwartungen (nicht so, sondern anders > so wie ich das gerade im Kopf habe) loszulassen,
das Gegenüber so, wie es im Moment gerade ist, also in seiner Schönheit und auch seiner Unzulänglichkeit (z.B. verletzlich, laut, aufbrausend, unsachlich usw.) anzunehmen,
die Bedürfnisse des Gegenübers zu achten,
gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse zu spüren, zu beachten, wichtig zu nehmen, sie mitzuteilen und zu vertreten und
gemeinsam sich immer so zu einigen, dass beide sich wohl fühlen.

Es heißt dann nicht "So bist du - und so ist es gut!",
sondern "So bist du - und so ist es für dich gut!".

Sehr schnell kann sich, gerade in einem Konflikt herausstellen:
"So bist du - so ist es für dich gut - so wirkt sich das aber auf die Beziehung negativ und belastend aus!" 

Konflikte und Stimmungseinbrüche müssen nicht schlimm, sondern sie können Segnungen einer Beziehung sein, wenn sie als (vielfach schmerzliche) Erinnerung an die BEZIEHUNGS-Gesamtverantwortung begriffen werden: "Miteinander besser leben lernen - 'miteinander' (nicht nur jeder für sich alleine) - und ausgehend davon, wie jeder der beiden gerade ist!" (nicht, wie er sein sollte, könnte oder müsste ... ), das ist die Herausforderung und damit die Aufgabe, die immer wieder bewältigt werden will.

Das geht nur, indem beide neue Möglichkeiten zur Bewältigung kritischer Situationen finden und probieren. Beide machen so für die Beziehung einen gemeinsamen Entwicklungs-Schritt, den dann jeder ganz persönlich und individuell in seinen eigenen Lebensprozess einbaut.
So entwickelt sich die gemeinsame Beziehung und auch jeder der Beteiligten wächst in der ganz eigenen Art. Da gibt es dann keine Konformität und auch keine Uniformität, also auch kein gedankenloses Übernehmen und Anpassen.

Wenn es gelingt, miteinander der Wiederholung einer gleichen oder ähnlichen Krisen-Situation in der Zukunft durch den Einsatz 'anderer / neuer Möglichkeiten' vorzubeugen, dann ist das bereits ein großer Entwicklungs-Schritt und eine große Erleichterung. 
So werden auch unerledigt Rückstände vermieden. - Denn die nächste, wieder ganz andere, schwierige Situation und damit die nächste Herausforderung zum erneuten Entwickeln und Wachsen, kommt bestimmt - und das ist gut so. Leben - und auch Partnerschaft - ist ständige Bewegung (Entwicklung), andernfalls würde es Erstarren und Tod bedeuten. Wer will schon diese Alternative?

Konflikte können miteinander durch ein Bereinigendes Gespräch (siehe dort) oder auch in anderer Form bearbeitet werden, die Veränderungen anstößt bzw. für jeden neue (eigene!!) Möglichkeiten verfügbar macht.
Thema ist: Was können wir tun, wie und wo können wir auch vorbeugen, wo können wir etwas verbessern, dass solche unerwünschten Entwicklungen sich möglichst nicht wiederholen? - Dabei darf es nur um den aktuellen Einzelfall gehen. 

Ich bin der Überzeugung, dass wir immer und immer wieder die Bereitschaft zum Einsatz und den Mut zum Risiko und zum Experimentieren brauchen - und das mit der Sprache des Herzens. Irgendwie wird es dann immer weitergehen.
Je mehr und je vielfältiger dabei natürlich das verfügbare Handwerkszeug wird, das sich jeder im Laufe der Zeit einsammelt (Kommunikations- und Streittraining, erklären- und zuhören-können usw.), desto leichter wird es werden - und desto mehr Spaß wird es sogar machen. Davon bin ich überzeugt.

BEZIEHUNGS-Gesamtverantwortung ist genau so total, wie ICH-Gesamtverantwortung.
Solange wir alleine sind, ist jeder nur für sich und damit nur für seine eigene Welt verantwortlich. Wenn wir uns zu einer Partnerschaft zusammen tun, entsteht zusätzlich eine gemeinsame dritte Welt, unsere Beziehung, für die wir dann beide je voll verantwortlich sind.

Jetzt gilt für mich: "Ich bin voll verantwortlich für mich selbst 
  UND die Beziehung zu / mit dir!
  Für dich bist nur du zuständig und verantwortlich!"
 
Jetzt gilt für dich: "Du bist voll verantwortlich für dich selbst 
  UND die Beziehung zu / mit mir!
  Für mich bin nur ich zuständig und verantwortlich!"

Was immer in der BEZIEHUNG passiert - mir oder dir oder uns beiden - ob Lust, Freude und Gut-tun oder Streit, Verletzungen und Missverständnisse, es geht immer uns beide an! Auch dann, wenn es scheinbar nur einen betrifft (der z.B. gekränkt oder beleidigt ist).

Nun mag auch noch die Frage auftauchen, wann denn nun eine Krise oder ein Streit so sind, dass es gilt, sich darum zu kümmern. Da ist die Antwort ganz leicht, weil es weder auf das Wort ‘Krise’, noch auf das Wort ‘Streit’ ankommt, sondern nur darauf, dass beide die gemeinsame BEZIEHUNG als gut und rund empfinden und sich darin wohl fühlen.
Auftretende ungute oder gar schlechte Gefühle sind Krisensignale, die ein Sich-darum-kümmern und damit Veränderungen verlangen.

BEZIEHUNG ist also eine Aufgabe, immer wieder auch anstrengend, oft auch unbequeme Arbeit. Aber aller Einsatz lohnt sich, denn jeder geschaffte Schritt macht auch wieder viel Freude - und nährt spürbar die Beziehung und die gemeinsame Liebe.

Ich bin glücklich, mit dir eine LIEBES-BEZIEHUNG zu haben!
...

 

 

vorgestellt ab 10.08.11  (20.12.09, 22.10.08)     Thema d. Woche ab 10.10.09  (03.2.04.04) / Alltag     Da gibt es Streit, Ärger, Missverständnisse oder Sticheleien - und schon rutscht die Stimmung in den Keller. Was tun?  -  Dazu möchte ich zitieren: "...Immer wenn wir uns selbst betrügen und davor zurückschrecken, uns in Bewegung zu setzen, wenn wir unsere Ruhe haben und nichts riskieren wollen, dann verzichten wir auf das wirkliche Leben und auf das Glück. Denn das Glück geht nicht und kommt wieder, sondern will ein Leben lang erobert sein, das kostet Mühe und Schweiß und deshalb ersetzen wir es durch Gewohnheit. - Ja, die Gewohnheit. ...." (Luigi Guicciardi / aus: 'Ein Wiegenlied für Commissario Cataldo') 

siehe auch:   Bereinigendes Gespräch 

                    Newsletter Nr.45 / Alltag    Partnerschaft / Alltag    Streit (6) / Alltag        http://www.alltagalschance.de/

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